Pro bono Dolmetschen im Kontext Deutscher Gebärdensprache – Eine qualitative Untersuchung zu Motiven und Entscheidungslogiken vo

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Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Pro bono Dolmetschen im Kontext Deutscher Gebärdensprache – Eine qualitative Untersuchung zu Motiven und Entscheidungslogiken von Gebärdensprachdolmetschern“.
Da bestehende Regelungen zur Finanzierung von Gebärdensprachdolmetschleistungen nicht alle Bereiche des gesellschaftlichen und privaten Lebens abdecken, können für T*taube Menschen Versorgungslücken entstehen. In diesen Situationen können pro bono Tätigkeiten kurzfristig Abhilfe schaffen, sie sind jedoch mit einer Vielzahl von individuellen, beruflichen und strukturellen Abwägungen verbunden. Ziel dieser Forschung ist es, zu analysieren, aus welchen Gründen sich Gebärdensprachdolmetscher für die Annahme solcher Aufträge entscheiden und welche Faktoren ihre Entscheidungsprozesse beeinflussen.  Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden fünf qualitative, halbstrukturierte Leitfadeninterviews durchgeführt. Bei den Gesprächspartnern handelte es sich um hörende Gebärdensprachdolmetscher, die bereits pro bono Aufträge übernommen haben. Diese waren teilweise angestellt, aber auch selbstständig tätig und deckten einen unterschiedlichen Umfang an Berufserfahrung ab. Eine Person ist darüber hinaus in der Leitung einer Dolmetschfirma tätig. Die erhobenen Daten wurden transkribiert und mithilfe einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2024) ausgewertet. Dabei wurden sowohl Kategorien berücksichtigt, die deduktiv von theoretischen Vorannahmen abgeleitet wurden, als auch induktive auf Grundlage des Interviewmaterials. 

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Entscheidungen grundsätzlich multifaktoriell sind und nicht auf ein eindeutiges Schema zurückgeführt werden können. Dennoch lassen sich Tendenzen beobachten, wie beispielsweise die Bedeutsamkeit der Beziehung zur anfragenden Person, die konkrete Art des Einsatzes, sowie gesellschaftliche Motive. Auch zeitliche und wirtschaftliche Ressourcen werden von Gebärdensprachdolmetschern mitberücksichtigt. Es zeigen sich auch Spannungsfelder zwischen dem Wunsch, Unterstützung bieten zu können und dadurch gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und der Sorge, durch pro bono Tätigkeiten strukturelle Finanzierungslücken unter Umständen sogar zu stärken, indem falsche Signale an mögliche zukünftige Kostenträger gesendet werden. Die Befragten betrachten pro bono Einsätze daher überwiegend als kurzfristige Abhilfe, im Kampf gegen Ungerechtigkeiten und nicht als dauerhafte Lösung. Als zentrale Perspektive für die Zukunft wird ein struktureller Ausbau der Finanzierung und Barrierefreiheit gesehen, durch den pro bono Dolmetschleistungen langfristig an Notwendigkeit verlieren sollen.